Wann, wohin mit wem? Wenn du das erste mal einen Surfurlaub planst, hast du sicher einige Fragen. Wir beraten dich gerne!

 

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20.11.2018

Schon im Sommer hatten wir mit einigen Surflehrern aus dem Team die Idee, einmal im Herbst oder Winter in der Bretagne zu surfen. Im Juli und August sind dort meist ausgezeichnete Bedingungen für das Familiensurfcamp, aber meist kann man nur an den Beachbreaks surfen. Die bretonischen Pointbreaks erwachen erst bei größeren Wellen zum Leben. Daher haben wir uns Mitte November mit sechs SALT-Teamern auf den Weg gemacht, um Wellen am westlichsten Zipfel Frankreichs zu jagen.


Abfahrt am Dienstagabend, alle in einem VW-Bus, Mittwochmorgen sind wir am Ziel.

 

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Da wir vor Ort einen Wohnwagen geparkt haben, können wir mit freundlicher Erlaubnis des Campingplatz-Besitzers den komplett verlassenen Platz als Basis nutzen. Nach neun Stunden Fahrt muss ein Kaffee her, wir haben Bohnen, aber keine Mühle. Kein Problem für Johannes, mit zwei flachen Steinen „stonegrindet“ er den Kaffee, nicht zu fein und nicht zu stark.

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Das gleiche gilt für die Surfbedingungen bei unserer ersten Session in La Palue. Die Wellen sind etwa schulterhoch und noch nicht sehr geordnet, aber zum einsurfen geeignet. Die zweite Session des Tages serviert schon ansprechendere Wellen.

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Der von uns angesteuerte Pointbreak funktioniert leider noch nicht, aber in der gleichen Bucht können wir einige kürzere aber schöne Ritte auf einer links brechenden Welle absahnen.

 

Wir kommen zum Punkt
Am zweiten Surftag sind wir morgens wieder in La Palue. Schon kopfhoch und mit side-offshore Wind, aber gekommen sind wir, um Pointbreaks zu surfen. Daher geht es nach einer kurzen Mittagspause wieder Richtung Point. Diesmal sind wir uns beim Spotcheck nicht sicher: Die größeren Set-Wellen schälen sich etwa fünf bis zehn Meter an den Felsbrocken vorbei. Es sind zwar andere Surfer auf dem Parkplatz, aber keiner im Wasser. Weil ich mit Neopren-Boots unterwegs bin und mein Brett schon einige Dings hat, will ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Takeoff-Zone ist ziemlich nah bei einem Stein und um mich herum blubberten und saugen Felsbrocken direkt unter der Wasseroberfläche. Es dauert eine Weile, aber dann sitze ich perfekt und bekomme eine Welle, die gleichzeitig der Startschuss für den Rest der Meute ist. Mit komfortabler Energie, gleichmäßig und mit offener Schulter als Fluchtweg, laufen die Setwellen recht dicht an den Steinen vorbei. Mit sechs Freunden und einem etwas später herbei paddelnden Franzosen können wir unser Glück kaum fassen.

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Abstieg zu neuen Ufern
Klar, dass wir uns für den dritten Surftag viel vornehmen. Die Wellenhöhe soll zunehmen. Morgens um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Das erste Licht des Tages bringt etwa um 7:15 Uhr die Enttäuschung: Der Point läuft nicht. Also auf zu neuen Ufern, es ist Freitag, wir dürfen nicht zu lange warten, damit die Wochenend-Surfer nicht vor uns im Wasser sind. Es soll noch größer werden, also steuern wir einen Spot an, der eigentlich nur als Big-Wave-Spot in den Surfguides auftaucht. Für eine Big-Wave reicht es nicht, aber die Szenerie ist beeindruckend. Am Fuß einer etwa 80 bis 100 Meter hohen Felswand bricht eine Welle, deren Höhe vom Standplatz am Gipfel der Klippe kaum einzuschätzen ist. Drei Franzosen scheinen ebenfalls unschlüssig zu sein. Wir ergreifen die Gelegenheit und schmeißen uns in die Neos. Der Abstieg zum Spot ist eine Kletterpartie und erfordert mit Surfboard etwa 10 Minuten Zeit.

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Erst unten wird uns klar, dass die Wellen größer und vor allem kraftvoller sind als wir zunächst vermutet hatten. Die Wellen brechen an einer vertikalen Felswand entlang über dicke Felsbrocken. Über einen steil abfallenden Geröllstrand gelangen wir ins Wasser. Der Shorebreak verursacht erheblichen Lärm, da sich fußballgroße Steine gegeneinander verschieben. Auch beim Duckdiven ergibt sich so ein ganz besonderes Unterwasser-Klang-Erlebnis. Chris und Johannes nehmen die ersten Wellen, dann bin ich dran. Die Wartezeiten zwischen den Sets sind lang und auch nach den ersten Wellenritten bleiben wir nervös. Wir wissen nicht, wo genau einzelne Felsbrocken unter der Oberfläche lauern, die steilen Klippen flößen Respekt ein.

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 Wir bleiben respektvoll an der Schulter der Welle.

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Nach einiger Zeit sehen wir die drei Franzosen, sie paddeln mit langen Guns in einigem Abstand zur nächsten Bucht. Dort bricht eine furchteinflößende Welle direkt über eine Steinplatte. Nach einiger Zeit sehen wir die ersten Versuche der drei Locals und die ersten Wipeouts. Ein älterer Surfer wird nach einem Sturz mit dem Weißwasser über einen Felskeil gedrückt und fällt hinter dem Felsen in ein Becken, aus dem er glücklicherweise schnell heraus paddeln kann. Bei uns geht es weniger spektakulär zu, doch nachdem jeder von uns fünf bis sechs Wellen auf dem Konto hat, gehen wir an Land. Beim erklettern der Klippe schwitzen wir das Adrenalin aus. Trotz der kleinen Wellenausbeute ein großes Erlebnis, eine Session, die man so schnell nicht vergessen wird. Die zweite Session des Tages lasse ich aus, doch die Jungs haben noch Spaß.

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Ken bremaik Breizh
Unser letzter Tag. Wir starten mit einer Beachbreak-Session, die Wellen werden immer größer. Noch vor dem optimalen Gezeitenstand wechseln wir an eine rechte Pointbreak-Welle. Wir haben wieder Glück und können den Spot eine knappe Stunde alleine surfen, dann kommen die lokalen Ripper. Aber unseren Abschlusssurf haben wir im Sack und genießen die Sonne und das Schauspiel der immer größer werdenden Brecher.

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Dennoch bin ich noch unruhig. Es gibt eine Bucht in der Gegend, die ich noch nie surfen konnte, da sie nur bei wirklich großen Wellen anfängt zu funktionieren. Die Wellenperiode an diesem Nachmittag liegt bei etwa 18 Sekunden, also fahren wir zu dem bretonischen Geheimspot. Doch wir haben wenig Zeit und zudem keine Kletterausrüstung dabei. Wie sich zeigt, eine schlechte Kombination, denn um den Felsstrand zu erreichen sind entweder ein Boot, oder aber Seil, Klettergurt und Steigklemmen erforderlich. Im Sommer haben wir Klettermaterial vor Ort, aber jetzt gerade nicht dabei und die Sonne geht unter. Also bleibt diese Rechnung noch offen, bis wieder alle Variablen zusammen passen am bretonischen Ende der Welt. Also dann - Ken bremaik Breizh.

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